Die Haiti-Kinderhilfe dankt allen Beteiligten an der wunderbaren Meet-for-Haiti-Aktion, dem 0711-Team, den Stars und den Spendern!!! Durch die Versteigerungen und Verlosungen sind knapp 30.000 Euro für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti zustande gekommen. In einer ersten Nothilfe hat unser Verein jene Slumfamilien mit Geld, Wasser, Lebensmitteln, Lampen und Wasserflaschen ausgerüstet, deren Kindern er bisher innerhalb des Patenschaftsprogramms zur Schule geschickt hat. Allerdings haben sich von den 120 Kindern im Erdbebengebiet bislang nur 69 gemeldet. In den anderen Fällen müssen wir mittlerweile das Schlimmste befürchten. Auch für die Restavek-Kindersklaven, die vor der Katastrophe regelmäßig zu essen bekommen hatten und medizinisch versorgt worden waren, wurden Lebensmittelspenden organisiert.
In einem zweiten Schritt hat die Haiti-Kinderhilfe ein Programm zur kostenlosen medizinischen Behandlung von Kindern eingerichtet. Das mag angesichts eines nie zuvor dagewesenen Medizineraufkommens in Haiti merkwürdig erscheinen, aber während sich ausländische Fachärzte bewundernswert um Knochenbrüche, Fleischwunden und Amputationen kümmerten, musste Haiti-Kinderhilfe-Vorsitzender Stephan Krause vor Ort feststellen, dass die Alltagskrankheiten unbehandelt blieben: Krätze, Durchfall, Malaria und Dehydrierung. Krankheiten, die sich aber gerade in den Zeltstädten und der zurzeit herrschenden Regenzeit besonders schnell verbreiten. Deshalb wurden ein haitianischer Kinderarzt und zwei Schwestern im 2004 von der Haiti-Kinderhilfe gebauten Krankenhaus „Notre Dame de Lourdes“ zusätzlich angestellt, die Kinder kostenlos behandeln. Auch die Labor- und Apothekenkosten werden übernommen. Wurden zunächst etwa 100 Kinder pro Monat behandelt, hat sich die Zahl mittlerweile auf 200 verdoppelt. – Nicht nur, weil sich das Angebot herumgesprochen hat, sondern auch weil durch die Regenzeit immer mehr Fieber- und Durchfallerkrankungen ausbrechen sowie in einigen Lagern bereits Diphtherie um sich greift.
Außerdem hat die Haiti-Kinderhilfe einen durch den internationalen Hilfseinsatz arbeitslos gewordenen haitianischen Arzt angestellt, der in den Lagern der obdachlos gewordenen Kindersklaven medizinische Hilfe leistet. Da diesen Kindern meist jeder Umgang mit Amtspersonen fremd ist, erreicht sie die Hilfe von außen nicht. Die von der Haiti-Kinderhilfe unterstützten sogenannten Restavek waren von dem Mediziner aber bereits vor dem Beben mehrfach untersucht und behandelt worden, so dass sie sich ihm auch in dieser Notsituation leichter anvertrauen können.
Des weiteren unterstützt die Haiti-Kinderhilfe den Einsatz der Gröbenzeller Hilfsorganisation stART international. Diese schickt Therapeuten in Krisengebiete, um Traumata aufzuarbeiten. Bisher haben unsere Studenten die deutschen Therapeuten, Psychologen und Psychiater bereits bei den vorbereitenden Arbeiten als Organisatoren und Dolmetscher unterstützt. Für den echten, auf zwei Jahre angelegten Hilfseinsatz trägt die Haiti-Kinderhilfe darüber hinaus auch die Kosten, die vor Ort anfallen: Dolmetschergehälter, Verpflegung der Kinder und Therapeuten, Anschaffung von Arbeitsmaterialien und die Ausbildung von einheimischen Therapeuten, die das Projekt in etwa einem Jahr selbständig fortführen sollen. So kann stART den Einsatz leichter schultern, obwohl die UNO die Mission nicht wie bei früheren Einsätzen im Libanon und in Georgien unterstützt, und die Haiti-Kinderhilfe bleibt ihrem Grundsatz treu, dass jeder gespendete Cent auch wirklich in Haiti ankommt.
Unseren ersten Gedanken, eine Haiti-Kinderhilfe-Siedlung mit Holzhäusern für ehemalige Slumbewohner umzusetzen, haben wir mittlerweile wieder aufgegeben. Bei näherer Betrachtung hat sich herausgestellt, dass erstens nur wenige Familien bereit waren, in eine unbekannte Nachbarschaft umzuziehen, und zweitens durch Fertighäuser aus dem Ausland weitere Arbeitsplätze in Haiti vernichtet werden. Schon jetzt haben Bauern, Lebensmittelhändler und Ärzte durch die – absolut nötigen – Katastrophenhilfen aus dem Ausland ihre Lebensgrundlage verloren. Zu Recht appellieren die Haitianer deshalb an die Hilfsorganisationen und die UNO, bei der mittel- und langfristigen Hilfe mehr auf die Existenzsicherung der Überlebenden zu achten. Da wir diesen Ansatz sehr überzeugend fanden, haben wir deshalb entschieden, das Ernährungsprogramm für die Restavek-Kindersklaven ganz auf in Haiti angebaute Lebensmittel umzustellen. In der Anschaffung wird der Reis dadurch zwar zunächst teurer, auf längere Sicht aber wird Haiti so gestärkt.
Die unzähligen Baumaßnahmen, die auch die Haiti-Kinderhilfe anstrebt, ruhen noch weitgehend, weil die haitianische Regierung seit Monaten keinen Koordinator dafür ernennt und die angekündigten Vorgaben für erdbebensicheres Bauen schuldig bleibt. Aber eine vom Hurrikan 2008 zerstörte Schule außerhalb des Erdbebengebiets bauen – haitianische – Fachleute zurzeit wieder auf, und für eine zerstörte Schule in Port-au-Prince bauen wir provisorische Unterstände aus Holz und Wellblech, so dass auch in der Regenzeit wieder Unterricht möglich wird. Alle langfristigeren Arbeiten scheitern momentan an der Bürokratie. Aber in den fünf Monaten seit dem Beben haben wir uns so gut mit anderen Hilfsorganisationen und der OCHA, der humanitären Organisation der UNO, vernetzt, dass wir stets auf dem Laufenden gehalten werden, was sich Neues tut. Wer Zeit und Interesse hat, kann sich auf unserem eingerichteten Internetblog (www.haiti-kinderhilfe.blogspot.com) weiterhin über unsere Aktivitäten informieren. Habt nochmal herzlichen Dank für Eure Hilfe, wir werden sehr sorgsam mit Eurem Geld umgehen und weiterhin unserer Maxime folgen, dass jeder gespendete Cent auch wirklich in Haiti ankommt. „Mesi anpil“ sagt man auf Kreolisch, was soviel heißt wie „einen Haufen Dank“!
Heike Fritz
Schriftführerin der Haiti-Kinderhilfe
Schilfstr. 5
82223 Eichenau








